«Wir müssen nur wollen!»

Am 19. Januar 2018 trafen sich in Ruswil auf Einladung der PROHOLZ Lignum Luzern rund 70 Entscheider aus der Holzbranche, um über Möglichkeiten zur Förderung von Schweizer Holz zu diskutieren.Architekt Gion A. Caminada rief die Anwesenden dazu auf, dass es sich lohne, sich mit dem Ort, wo gebaut wird, zu beschäftigen und sich darauf einzulassen.  

Während der Holzbau vor allem bei mehrgeschossigen Häusern und bei öffentlichen Grossbauten im Vormarsch ist, nimmt in der Schweiz die Menge des geschlagenen Nutzholzes in den Wäldern ab. Deshalb haben sich auf nationaler und regionaler Ebene starke Kräfte formiert, um die Nutzung des Schweizer Holzes zu fördern. Eine dieser Organisationen ist der Holzcluster Luzern, der am 19. Januar zu einer Informationsveranstaltung zum Thema «Gestalten mit Ressourcen aus der Region» zur Haupt AG nach Ruswil einlud. Wie brisant das Thema ist, zeigte der Grossaufmarsch von Fachpersonen aus Holzindustrie, Holzbau, Schreinerbranche, Architektur und Planung zu diesem Anlass.

Wir sind alle Botschafter

Der bekannte Bündner Architekt Gion A. Caminada, ausserordentlicher Professor für Architektur und Entwurf an der ETH Zürich und unter vielem anderem auch Schöpfer des Tierparkturms Goldau, appellierte in seinem Impulsreferat dafür, Bauten in ihrer Beziehung zur Region zu sehen. «Wenn immer möglich greife ich auf Materialien zurück, die in der Umgebung des Bauwerks vorhanden sind», sagte er, «denn im engen Umfeld entstehen Beziehungen, von denen das Bauwerk lebt. Dazu gehört auch die Ökonomie des Lokalen.» Materialwahl als kulturelle Verpflichtung also? Durchaus. «Wichtig ist es, dass wir in diesem Sinne als Botschafter für Schweizer Holz einstehen», sagte Beat Bucheli, Präsident der Luzerner Schreiner. «Das heisst, wir müssen Schweizer Holz in unseren Ausstellungen erlebbar machen, die Geschichte des Schweizer Holzes erzählen und den Mehrwert aufzeigen.»

Aktiver Klimaschutz, Schutz vor Naturgefahren, Erhalten attraktiver Lebens- und Erholungsräume, nachhaltige Nutzung eines nachwachsenden Rohstoffes, Arbeitsplatzerhalt in der Region, kurze Transportwege, ökologische Bauweise – die Liste der Argumente ist lang und kann von der Webseite der PROHOLZ Lignum Luzern heruntergeladen werden.

Schweizer Holz als Basis

«Schön und gut – aber leider zu teuer», sagen sich viele. «Stimmt nicht», entgegnet Pirmin Jung, Geschäftsleiter der Pirmin Jung Ingenieure AG und Präsident der PROHOLZ Lignum Luzern. Er rechnete dem Publikum vor, dass sich in Bezug auf die Investitionskosten in ein neues Mehrfamilienhauses (inkl. Landkauf) in Holzbauweise ein Mehrkostenanteil von nur gerade 0,06% bis höchstens 0,6% ergibt, wenn man konsequent auf Schweizer Holz setzt. «Seit wir Schweizer Holz von Beginn an konsequent ins Devis hineinnehmen, konnten wir den Anteil an Schweizer Holz in unseren Vergaben von 17% auf 79% steigern», sagte Pirmin Jung.

Auch die Haupt AG, so Projektleiter Eugen Amstutz, rechnet mit Schweizer Holz als Basis im Baukostenplan, um davon ausgehend die Preisdifferenzen anderer Holzherkünfte als Variante auszuweisen. Pius Renggli, Mitinhaber der holzprojekt gmbh, und Reto Schüpbach von den a6 architekten AG berichteten von ähnlichen Methoden, den Bauherren die Wahl zu lassen. Wichtig sei es, dem Bauherrn die Holzherkunft offen zu legen. Die Verordnung des Bundes über die Deklaration von Holz und Holzprodukten verpflichtet alle Akteure dazu.

Mutige Krienser

Bei den privaten Bauherren ist die Vorgabe, Schweizer Holz zu verwenden, kein Problem. Schwieriger wird es bei den öffentlichen Bauten. Denn dort gelten die GATT/WTO-Richtlinien und diese verbieten Vorgaben bezüglich eines Produktes. «Ausser der Kanton Luzern kann als öffentlicher Bauherr den Rohstoff aus den eigenen Wäldern zur Verfügung stellen», erklärte Pirmin Jung. Auch bei begründetem Zeitgewinn kann der öffentliche Bauherr den Rohstoff separat beschaffen. Zudem lasse sich bei den Beurteilungskriterien im Bereich Ökologie etwas machen. «Warum nicht die Transport-Tonnenkilometer dort ins Spiel bringen?», fragte Pius Renggli in die Runde. Besonders hervorgehoben wurde der Mut der Gemeinde Kriens. Sie gab beim Bau des Werkhofs und Feuerwehrdepots Eichenspes trotz GATT/WTO Schweizer Holz vor und nahm das Risiko einer bauverzögernden Einsprache bewusst in Kauf. Es gab keine Einsprache.

Das Fazit der Veranstaltung war klar: Grundsätzlich kann man immer mit Schweizer Holz bauen – man muss nur wollen.

Fotos: Alex Arnet und Melanie Brunner, PROHOLZ Lignum Luzern

Link auf die Präsentation der Veranstaltung

Bericht im Anzeiger vom Rottal, 25.1.2018:
"Eine kulturelle Verpflichtung": Titelseite, Folgeseite

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Infoveranstaltung "Gestalten mit Ressourcen aus der Region"

Melanie Brunner

Kontakt

Melanie Brunner-Müller
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Geschäftsführerin
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Alex Arnet-Muri

Alex Arnet-Muri
Dipl. Forsting. ETH, NDS FH Wirtschaftsing.
Projektleiter Holzcluster Luzern
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Herkunftszeichen Schweizer Holz